Abrash

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Abrash oder Farbunterschiede im Flor von Teppichen. Autentische Orientteppiche haben, ihrem Wesen entsprechend viele Abweichungen, da sie handgefertigt und nicht maschinell gefertigt sind. Die Handfertigung führt zu bestimmten Abweichungen, schönen und einzigartigen Merkmalen, die einen „echten“ Orientteppich von weniger wertvollen Kopien unterscheidet. Handgefertigte Teppiche variieren in der Färbung ihrer Oberfläche, der Dichte der Knoten im Flor, Unregelmäßigkeiten in der Gestalt der Kanten und Einfassungen, und auch in der Ausfertigung von Fransen und Fransenenden. Eine der häufigsten und typischen Merkmale eines echten Orientteppichs und besonders unter den älteren oder den „Nomaden“ Teppichen, ist die schöne Farbvariation, die im Handel als „Abrash“ bekannt ist. Abb.: Abrash-Effekt bei Blautönen. Die Wirkung des Abrash ist es abweichende Farbmuster, Farbgebung oder Färbung zu bilden oder zu erzeugen. Oft kann man Abstufungen innerhalb einer Farbe oder eines Farbfeldes im Design wahrnehmen. Das gilt für Blautöne, Rottöne, Brauntöne aber auch andere Farben. Diese Variationen sind als Bänder oder horizontale Balken, aber auch anderen Formen und Anordnungen der Farbvariationen möglich. Die Abrash Farbgebung kann von sehr feinen Unterschieden im Ton bis zu stark ausgeprägten Unterschieden bestimmter Farben in einem Teppiche variieren. Woher kommt das? Nehmen wir Indigo. Alle Wollstränge liegen in der gleichen Küpe. Der härter gezwirnte Strang aber oder die hornigere Wolle nimmt den Farbstoff schlechter auf und bleibt heller. Oder der persische Bauer, der nur ein, zwei Schafe besitzt, ist mit seinem blauen Garn zu Ende und muß warten, bis er wieder scheren kann. Da wird es ihm selten gelingen, den früheren Ton des Blaus wieder genau zu treffen. Abrash hat seine Ursache in Abweichungen während des Färbeprozesses. Kleine Menge des Garns für den Flor werden am Strang per Hand vor der Teppichherstellung gefärbt.

Jedes gefärbte Los der Wolle wird per Hand in den Teppich geknüpft; wenn aber die Wolle aus dem folgenden Farblos verwendet wird, ist eine Farbabweichung zwangsläufig die Folge. Kenner von antiken und alten Orient Teppichen schätzen die Schönheit und das handwerkliche Aussehen die typisch für Abrash sind. Bisweilen werden die Farbvariationen des Abrash im Laufe des Gebrauchs und Abnutzung durch Verschmutzung und Ablagerungen auf dem Teppichflor verdeckt. Wenn der Teppich einer Teppichreinigung unterzogen wird, wird die Oberflächenverschmutzung entfernt und der Flor wird gebürstet und aufgereichtet. Die echte und authentische Farbvariation des Flors wird, zusammen mit einigen Abrash Farbvariationen aus der Zeit als der Teppich geknüpft wurde, enthüllt. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, dass nach der gründlichen Wäsche geringfügige Farbvariationen durch unterschiedliche Ausrichtung des Flor („Shading“ genannt) sichtbar werden. Beide Effekte „Abrash“ und „Shading“ zeigen sich als Farbvariationen im Teppichflor. Diese unterschiedlichen Farbgebungen sind keine Schäden. Vielmehr sind sie kennzeichnend für die unterschiedliche Wolle und die Unterschiede bei der Färbung der Stränge, die bei Herstellung eines handgeknüpften Teppichs zwangsläufig verwendet werden. In der Tat verwenden einige der Hersteller sehr hochwertiger, maschinell gefertigter Teppichqualitäten sehr viel Zeit und Geld um Abrash bei ihren maschinengewobenen Teppichdesigns zu simulieren. Abrash ist ein Wesensmerkmal der Schönheit und des individuellen Aussehens von handgeknüpften Orientteppichen, aber auch von einigen maschinell gefertigten Teppichen die versuchen echten Abrash nachzuahmen. Lothar Amm, Langenzenn, Juni 2002 Quelle ASCR International Quelle: „ABC des echten Teppichs“ Seite 1